"Maßstäbe - Grafische Arbeiten" - Ausstellung zur Woche der Brüderlichkeit im Augsburger Zeughaus
Welche Maßstäbe sind in unserer Überflussgesellschaft noch relevant? Wo werden persönlich als bindend empfundene Werte missachtet? Studierende und Lehrende der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Augsburg haben diese Fragen anlässlich der Woche der Brüderlichkeit künstlerisch untersucht. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind seit gestern täglich von 10.00-18.00 Uhr in der Toskanischen Säulenhalle des Augsburger Zeughauses zu betrachten. Am vergangenen Dienstag wurde die Ausstellung „Maßstäbe – Grafische Arbeiten“ vom stellvertretenden Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Thomas Elsen, und dem Generalsekretär des Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Rudolf W. Sirsch, feierlich eröffnet.
Die zunehmende Zahl von Gewalttaten, wirtschaftsethische Verfehlungen oder maßloses Komasaufen bei Jugendlichen seien nur drei Beispiele dafür, wie dringlich es für eine Gesellschaft sei, sich immer wieder ihrer Werte zu vergewissern, stellte Sirsch in seiner Begrüßung mit Blick auf das Thema der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit "Verlorene Maßstäbe" heraus. DIe Werte über die Sprache der Kunst neu zu justieren, dazu könne die Ausstellung einen Beitrag leisten. „Nicht nur über das Wort werden wir zum Handeln inspiriert, sondern oftmals fordern uns auch die Kultur und Kunst zum Handeln auf", betonte Sirsch. Die Ausstellung zeige wie dies künstlerisch-kommunikativ und mit einer enormen Spontaneität sowie Vielfalt möglich sei.
Gerade in dieser Verschiedenartigkeit der Exponate und der Vielfalt der Darstellungsformen sieht der Dekan der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Jens Müller die Stärke der Ausstellung. Vom Siebdruck bis zu Formen multimedialer Darstellung reicht die Palette der Werke. „Die ausgestellten Arbeiten tasten sich experimentell und subjektiv an das Thema heran. Sie geben keine fertigen Antworten, vielmehr verstehen sie sich als ein anregendes Gesprächsangebot“, betonte Prof. Müller.
Das Herantasten an die Vielfalt des künstlerischen Umgangs mit Werten und Maßstäben können interessierte Besucher bis 14. März täglich von 10-18.00 Uhr in der toskanischen Säulenhalle des Zeughauses bewundern. Eine Spezialführung am Freitag, den 12. März um 16 Uhr mit der Münchener Kunsthistorikerin Frau Dr. Opel erläutert Motive und Hintergründe der Werke. Auch hierzu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.


Menschenrechte als Maßstab!
Beim Bericht über die „Woche der Brüderlichkeit“ wunderte ich mich zunächst sehr, warum die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf diskriminierender Art und Weise nur von „Brüderlichkeit“, nicht aber auch genauso von „Schwesterlichkeit“ sprechen. Denn es gibt ja sowohl bei Christen wie bei Juden ungefähr je zur Hälfte auch Frauen auf beiden Seiten, die - so finde ich - bei der angestrebten Annäherung doch wohl nicht ausgeschlossen werden sollten.
Was spricht denn dagegen, dem Beispiel des CVJM zu folgen: Er nannte sich früher „Christlicher Verein junger Männer“ - und nun schon seit einiger Zeit „... junger Menschen“. Wie wäre es - analog dazu - von der „Woche der Mitmenschlichkeit“ zu sprechen?
Obwohl - Mitmenschen anerkennen einander. Dies ist jedoch bei Christen und Juden so lange unmöglich, wie ihre Religionen noch immer offiziell auf ihren Absolutheitsansprüchen bestehen. Dieser lautet (nebenbei: wie beim Islam), jeweils die allein wahre und gültige Religion zu sein und als solche anerkannt zu werden. Deswegen wurden bisher schon viele Millionen Menschen grausamst umgebracht!
Solange diese barbarischeren und kriegerischen Ansprüche aufrechterhalten werden, ist eine wirkliche Annäherung natürlich unmöglich. Ich finde, dieses grundsätzlich nicht nur Trennende, sondern sich gegenseitig Bekämpfende sollte ehrlicherweise endlich angesprochen und überlegt werden, wie diese extrem hohen Barrieren abgebaut werden könnten (sonst bleibt es bei den bisherigen völlig unzureichenden Mini-Trippelschritten - und das nun schon seit 1952!).
Sowohl beim Abschaffen der Absolutheitsansprüche als auch bei der Suche nach den „verlorenen Maßstäben“ bieten sich die universell gültigen Menschenrechte an. Würden sie von Christen- und Judentum als gemeinsames Dach endlich anerkannt, müssten logischerweise sofort die krass menschenrechtswidrigen Absolutheitsansprüche für ungültig erklärt werden - und Menschen beider Religionen könnten anschließend wirklich als „Brüder“ und „Schwestern“ miteinander umgehen.
Zusammen könnten sie dann mithelfen, dass diese fundamental wichtigen Gleichheitsrechte auf allen Ebenen der Gesellschaft umgesetzt werden - auch insofern (wenn ich an die nun massenhaft bekannt werdenden Missbrauchsfälle denke), dass Kinder endlich als vollwertige Menschen anerkannt werden, mit dem vollständigen Grundrecht auf körperlicher, seelischer und geistiger Unversehrtheit.