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Neues Gold für Else - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

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20.02.2010

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Neues Gold für Else

Wer sie je aus der Nähe gesehen hat, weiß es – die Siegessäule, Mittelpunkt des unübersichtlichsten Kreisverkehrs am Großen Stern im Berliner Tiergarten, hat dringend eine Verjüngungskur nötig. Wenn die Eiszeit vorbei ist, soll es losgehen. Die kostspieligste Position dabei: Experten rechnen mit 1200 Gramm Blattgold, die der preußischen Siegesgöttin auf der Spitze des Kriegerdenkmals aufgelegt werden müssen. Bei den 4,3 Millionen Euro teuren Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten geht es aber nicht nur um die Neuvergoldung der Skulptur sowie der Kanonen und Girlanden, die den Aussichtsturm schmücken. Einbezogen sind auch die mit Mosaiken geschmückte Säulenhalle, auf der die Siegessäule steht, sowie die am Großen Stern aufgestellten Denkmäler des Reichskanzlers Otto von Bismarck und der preußischen Generale Albrecht von Roon und Hellmuth von Moltke.


Viktoria stand Germania im Wege – Umzug zum Großen Stern

Gutachten haben zwar ergeben, dass die Statik der 8,32 Meter hohen Viktoria mit der Schuhgröße 92 nicht gefährdet ist, wohl aber müssen locker gewordene Bleche und Verschraubungen gefestigt werden. Außerdem werden marode Steinverkleidungen ausgetauscht und Fugen neu abgedichtet. Da die Verkleidung des innen begehbaren Treppenhauses aus carrarischem Marmor über und über beschmiert ist, muss sie gesäubert und mit einem Graffitischutz versehen werden. Auf dem Programm steht die Reinigung und Konservierung der in den mächtigen Unterbau eingelassenen Bronzereliefs, und da der Sockelbereich mit den toskanischen Säulen ein schadhaftes Dach aus Kupferblech hat, muss auch dieses abgedichtet werden. In das Sanierungsprogramm eingeschlossen sind die vier Torhäuser am Großen Stern, durch die man unterirdisch zur Siegessäule gelangt, sowie eine 600 Meter lange Steinmauer, die die Anlage umgibt. Bereits ab Ende 2010 soll ein Besuch des Monuments wieder möglich sein. Alle Arbeiten sollen im Frühjahr 2011 abgeschlossen sein.

Während der Arbeiten wird die „Goldelse“, wie die Berliner die Siegessäule nennen, durch farbige Bauplanen umhüllt. Auf ihnen können diesmal aber weder Auto- noch Getränke- oder Parfümhersteller werben. Vielmehr nutzt das Land Berlin im Rahmen seiner Hauptstadtkampagne die Einhausung, um auf wichtige Ereignisse in der Stadt wie das Wissenschaftsjahr 2010 oder die Internationale Tourismusbörse einzustimmen. Die Siegessäule erinnert an die preußisch-deutschen Kriege von 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und seine mittel- und süddeutschen Verbündeten sowie 1870/71 gegen Frankreich. Mit ihnen wurde durch „Blut und Eisen“, wie Reichskanzler Otto von Bismarck sagte, unter preußischer Führung der Weg zur deutschen Einheit geebnet, die 1871 mit der Proklamation König Wilhelms I. in Versailles zum deutschen Kaiser vollzogen wurde. Ursprünglich hatte der Monarch den Bau einer etwas bescheideneren Gedenksäule zur Erinnerung an den Krieg von 1864 angeordnet. Doch dann wurde das für den Königsplatz im Spreebogen bestimmte Monument immer wuchtiger und höher. Am 2. September 1873, dem dritten Jahrestag der Entscheidungsschlacht von Sedan gegen die Franzosen, hat der deutsche Kaiser das Denkmal auf dem Königsplatz eingeweiht. Seit dem Ende der Monarchie 1918 heißt dieser Raum vor dem Reichstagsgebäude Platz der Republik.

Dass das Kriegerdenkmal nicht mehr dort steht, sondern zwei Kilometer weiter am Großen Stern, hat mit den Umbauplänen von Hitler und seinem Stararchitekten Albert Speer zu tun. Ihrer gigantomanischen Vision von der „Welthauptstadt Germania“ mit riesigen Staats- und Parteibauten und breiten Avenuen standen die Siegessäule, die von Kaiser Wilhelm II. gestiftete Siegesallee sowie Bismarck und die Generalsfiguren im Wege.

Die Siegessäule hatte den Zweiten Weltkrieg mit erheblichen Blessuren überstanden. Die Besatzungsmächte verlangten nach dem Ende des Nazistaates ihren Abbruch, sahen sie doch in ihr ein besonders verwerfliches Zeugnis des preußisch-deutschen Militarismus. Vor allem für die Franzosen war das Monument, auf dessen Reliefs unter anderem die Kapitulation der Truppen von Kaiser Napoleon III. dargestellt ist, unerträglich, sie bestanden auf Sprengung. Das geschah zwar nicht, wohl aber wurden die als besonders provozierend empfundenen Sockelreliefs entfernt und nach Frankreich geschafft.



Die Reliefs als Kriegstrophäen

Im Zeichen der deutsch-französischen Versöhnung gab Paris 1984 die als Kriegstrophäen in einem Militärmuseum zwischengelagerten Bronzeplatten dem damaligen Regierenden Bürgermeister von West-Berlin und späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zurück. In einer Metallwerkstatt restauriert, nicht aber rekonstruiert, wurden die mit Inschriften wie „Das dankbare Vaterland dem siegreichen Heere“ versehenen Reliefs wieder in den Sockel eingefügt.

Wenn man nach Vollendung der Arbeiten 2011 die rundum sanierte Siegessäule erklommen hat, kann man von der Aussichtsplattform wieder einen wunderbaren Rundblick auf den Tiergarten und darüber hinaus in alle Himmelsrichtungen auf Berlin genießen. (Von Helmut Caspar)



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