Schwalmgymnasium: Warmherziger Abschied für Hans Nöll und Klaus HottmannLehrer aus Leidenschaft
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Treysa. Wenn eine Schule eine Säulenhalle wäre, hätte das Schwalmgymnasium sein Gesicht geändert: Mit Hans Nöll und Klaus Hottmann hat die 100 Jahre alte Institution zwei ungewöhnliche Lehrer verabschiedet.

Typisch: Hans Nöll (links) mit dem Palästinensertuch und Klaus Hottmann mit Schnauzbart.
Konnte es Zufall sein, dass der stets schnauzbärtige „Hotti“ Hottmann und Hans Nöll mit dem unvermeidlichen Palästinensertuch Mitte der 70er-Jahre nahezu gleichzeitig als Lehrer im Schwalmgymnasium begannen?
Zu den Personen
Klaus Hottmann kam 1948 in Goslar zur Welt. Nach dem Studium in Kassel war er Referendar in Sontra. Seit 1976 unterrichtet er an der Schwalmschule. Hottmann nutzt das Altersteilzeitmodell. Er unterrichtet weiterhin acht Wochenstunden in der Oberstufe und führt seine AGs Bogensport und Badminton weiter.
Geboren wurde Hans Nöll 1949 in Treysa, ab der fünften Klasse war er Schwalmschüler. Er studierte Chemie und Biologie und leistete eine einjährige Bundeswehrzeit sowie sein Referendariat in Treysa. 1975 wurde er Lehrer am Schwalmgymnasium. Neben seinem Fachunterricht bot er Gitarrenkurse an. 20 Jahre lang war er Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender für die Grünen.
Klaus Hottmann, Kunst und Arbeitslehre, dachte damals bei sich, „dass man sich ja wieder wegbewerben könnte“, während Hans Nöll gewissermaßen blieb, wo er schon immer war. Seit seinem zehnten Lebensjahr war Nöll Schwalmschüler gewesen, später Referendar. Abzüglich der Unterbrechungen durch Bundeswehr und Studium macht das ein halbes Jahrhundert.
Klaus Hottmann kam 1976 als frisch examinierter Lehrer im umgebauten Leichenwagen nach Treysa. „Ich kannte die Stadt gar nicht, aber ich fand die Lage der Schule zwischen Brauerei und Friedhof interessant.“
Die jungen Kollegen verstanden sich blendend. Überhaupt, so finden beide heute, wurde es im Kollegenkreis immer angenehmer. War es einst noch die Gepflogenheit von Direktor Dr. Obermann, beim Klingeln die Eingangstür zu versperren, um alle Zuspätkommenden – Schüler wie Lehrer – aufzulisten, so zogen bald liberalere Zeiten ein.
Hottmann schaffte den Leichenwagen ab und offenbarte sich seinen Schülern als Sitzenbleiber („zwei Mal!“) . „Damit wollte ich den Schülern Mut machen und ihnen sagen, dass aus allen etwas werden kann.“
Lehrermund
„Das Beste an der Schule sind die Schüler.“ Klaus Hottmann
„Ich war immer erstaunt, wieviele kluge Leute Sitzenbleiber waren. Heute sieht man das leider als Makel.“ Hottmann
„G 8 – das ist meiner Meinung nach keine gute Lösung. Jugendliche erleben doch gerade in der Jahrgangsstufe 13 einen enormen Reifeschub. Ein Jahr früher fehlt da noch etwas.“ Hottmann
„Ich kritisiere die Atomisierung des heutigen Studiums.“ Hottmann
„Es ist schade, dass es Werken nicht mehr gibt. Lernen hat auch mit Begreifen zu tun.“ Hottmann
„Das Begreifen ist auch in der Chemie ganz wichtig. Da können die Schüler vieles selbst machen. Meine Leistungskurse haben ganz vieles allein getan.“ Hans Nöll
„Ich hoffe, dass Kunst nicht auch noch aufs Abstellgleis kommt.“ Hottmann
„Ermutigung und Honorierung von Leistung ist unglaublich wichtig.“ Hottmann
„Unbelehrbar war selten einer der Schüler, nur selten wusste man wirklich nicht mehr weiter.“ Nöll
„Ich sehe einen Schüler zuerst als Menschen.“ Nöll
Und die Jugend, wurde die tatsächlich immer schlimmer? „Nein“, antworten die beiden wie aus einem Mund. „Jugendliche müssen doch alles ausprobieren, und ein bisschen haben wir das auch vorgemacht“, sagen sie. Hottmann: „Ich mit meiner langen Matte.“ Nöll: „Und ich mit meinen drei Ohrlöchern.“ Und schließlich sei schon immer die gegenwärtige Jugend in den Augen der Leute die schlimmste gewesen. Hottmann: „Ich erinnere mich an einen Spiegel-Titel von 1986, der lautete „Tollhaus Schule“.
„So einiges angezettelt“
Beide waren über lange Zeit die von den Schülern gewählten Verbindungslehrer, organisierten Seminare und Fahrten. „Da haben wir so einiges angezettelt.“ Der erste Altpapiercontainer wurde auf ihre Initiative hin aufgestellt, als grüne Ideen noch wie vom anderen Stern anmuteten. Die von allen geliebte Cafeteria hat in dieser Zeit ihre Anfänge. In den letzten Jahren waren Kinder und Jugendliche ihre Schüler, deren Eltern sie schon unterrichtet hatten.
Die Gestaltung des Abschieds fanden Nöll und Hottmann „grandios“. Schüler und Lehrer hatten sich zum einen Teil mit Palästinensertüchern und Lederjacken nach dem Vorbild Nölls, zum anderen mit Schnäuzern, Brillen und verschiedenpaarigen Ringelsocken ausstaffiert – wie Hottmann. Es wurden Musikstücke komponiert, die Schülerband spielte „Born to be wild“, Dada-Gedichte wurden rezitiert, Filme und Fotos gezeigt. „Uns kamen die Tränen“, berichteten die beiden.
Beide verbindet übrigens auch der Widerstand gegen den Weiterbau der Autobahn 49. „Unsere gemeinsame Überzeugung ist es, dass die Belastungen für die Region viel schwerer wiegen als die Vorteile.“
„Immer wieder Lehrer“
Und dann strahlen Nöll und Hottmann wieder, nämlich bei der Frage, ob der Lehrerberuf noch immer ihr Traumjob ist. „Oh, ja. Immer wieder.“
Mehr Fotos gibt’s auf hna.de
Von Anne Quehl
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